Emotionale Granularität



Auch: Emotionale Differenzierung
Gegenteil: Alexithymie


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Wie viele Emotionen gibt es und wie benennen wir sie? Was passiert genau, sobald ich in einer Situation ein Gefühl verspüre?

Wenn wir nicht wissen, was wir eigentlich fühlen und auf Nachfrage von Mitmenschen nur mit „gut“ oder „schlecht“ antworten können, wird es Zeit, sich unseren Emotionen offener und neugieriger zuzuwenden, um sie spüren, differenzieren und benennen zu lernen.
Diese (erlernbare) Fähigkeit hat in der Psychologie sogar eine Bezeichnung: Emotionale Granularität.

Indem du auf deine Emotionen und ihre Änderungen achtest und diese durch differenzierte Bezeichnungen ausdrücken kannst, wirst du auch deine Bedürfnisse leichter erkennen und anderen gegenüber äußern können. Du fühlst dich häufiger verstanden!
Emotionale Granularität beschreibt die differenzierte Darstellung von emotionalen Zuständen, um einen gesunden Umgang mit ihnen pflegen zu können. Im besten Fall erlebt man die Emotion in Übereinstimmung mit der gegenwärtigen Situation und nicht als Echo von etwas, was in der Vergangenheit vorgefallen ist.
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Seine Gefühle selbst wahrzunehmen und sie zum Ausdruck zu bringen, hilft dir selbst, verständnisvoll mit dir umzugehen und sie hilft anderen, auf dich einzugehen.
Genauso verhält es sich natürlich andersrum: Kann eine Person differenziert über ihre Gefühle sprechen, kann sie oft auch ihre Bedürfnisse besser benennen und du hast die Möglichkeit, einfühlsamer mit ihr umzugehen.

Diese Fähigkeit ist jedoch komplex. Wir müssen achtsam werden, wann und wo wir Gefühlsänderungen an uns wahrnehmen und dann Worte für die unterschiedlichen Gefühlszustände finden. Einerseits lernen wir also anhand sich wiederholender Situationen, wie wir uns dabei fühlen, andererseits müssen wir einen reichen Wortschatz dafür entwickeln.

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Der Aufwand lohnt sich

Indem du auf deine Emotionen und ihre Änderungen achtest und diese durch differenzierte Bezeichnungen ausdrücken kannst, wirst du auch deine Bedürfnisse leichter erkennen und anderen gegenüber äußern können. Du fühlst dich häufiger verstanden!

Wenn du weißt, ob du in negativen Situationen Frust oder Wut oder Traurigkeit verspürst, kannst du selbst leichter passgenaue Strategien, um mit Gefühlen umzugehen, entwickeln. Eine effektive Strategie ist, diese Gefühle mit einer empathischen Person, der du vertrauen kannst, zu teilen. Das wird Koregulation genannt. Mit der Zeit wirst du lernen, deine Emotionen leichter zu regulieren und bleibst länger in einem emotionalen Gleichgewicht.
In zwischenmenschlichen Beziehungen ist die Kommunikation erleichtert, da du sowohl deinen als auch die emotionale Verfassung deines Gegenübers wahrnehmen kannst.

Vielleicht hilft dir das Rad der Emotionen (vgl. Plutchiks) oder der Gefühlsstern, deinen emotionalen Wortschatz zu erweitern und ähnliche Emotionen besser voneinander zu unterscheiden. Die Filme „Alles steht Kopf“ - Teil I und Teil II zeigen ein spannendes Bild von Emotionen und Emotionsregulierung.

Lisa Feldman Barretts Forschungsarbeit zu emotionaler Differenzierung bzw. „Granularität“, wie sie es nennt (2004), zeigt, wie unterschiedlich Emotionen erfahren, wahrgenommen und verstanden werden.

Demnach tendieren Menschen, die ihre Emotionen gerade auch bei stark belastenden Erfahrungen differenziert in Worte fassen können, weniger zu negativen Selbstregulationsstrategien wie Aggression, Selbstverletzung oder exzessiven Alkoholkonsum. Des Weiteren reagieren sie nicht so stark auf Zurückweisung und neigen seltener zu schweren Angststörungen und Depressionen.

Anderswo ist außerdem belegt, dass es Stress lindert, wenn man eine schwierige Situation in einem Tagebuch nacherzählt und die Gefühle, die sie in einem ausgelöst hat, präzise beschreibt.

Sue Johnson & Leanne Campbell, Emotionsfokussierte Einzeltherapie

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