Empathie


Auch: Einfühlungsvermögen, Mitgefühl.


Gerade in einer Partnerschaft ist es wichtig, dass wir uns nicht alleine fühlen. Wenn wir uns verbunden fühlen, sind wir gesünder und glücklicher. Darum sucht unser Lieblingsmensch instinktiv nach empathischem Mitgefühl von uns, und darum ist empathisches Mitgefühl eines der bedeutendsten Unterstützungen, die wir ihm geben können – auch, wenn es sich im Moment, vielleicht erstmals nicht so anfühlt. Wir geben unserem Lieblingsmenschen das Signal 'Du bist nicht alleine, ich bin für dich da, du musst nicht so viel Angst haben'. Wir erlösen unseren Lieblingsmenschen von einem Gefühl der Einsamkeit mit einem schlimmen Gefühl, und wir helfen ihm, seine Gefühle zu regulieren. Das Nervensystem der Menschen ist nicht geschaffen, um sich alleine zu regulieren. Wir brauchen andere Menschen, um uns zu regulieren. Wir schauen zu anderen Menschen, um unsere Realität zu verstehen und uns Validierung zu geben.


Das Problem ist, dass 'Das Problem lösen oder aufmuntern zu wollen' sich un-empathisch anfühlen kann. Du drückst das Gegenteil aus von dem, was dein Lieblingsmensch fühlt und isolierst ihn dann noch weiter mit dem schrecklichen Gefühl. Das kann dazu führen, dass dein Lieblingsmensch sich noch einsamer in dieser schlimmen Gefühlssituation fühlt und das Gefühl noch schmerzlicher wird. Auch kann es als Kritik aufgefasst werden, als hätte er nicht stark genug versucht, das Problem zu lösen oder das Positive zu sehen, als wäre er nicht gut genug.

Das schwarze, tiefe Loch

Wollen wir effektivst für jemanden da sein, dann begeben wir uns nicht nur physisch zu ihnen, sondern wir begeben uns zudem auch urteilslos und unterstützend in die emotionale Situation der Person. Wir tauchen in die Gefühlswelt und in die Perspektive des anderen ein, und fühlen mit ihnen. Eine häufig benutzte Metapher hierbei ist das schwarze, tiefe Loch. Unser Lieblingsmensch befindet sich am Grund eines schwarzen, tiefen Lochs, das seine Verzweiflung, Schmerz und Ohnmacht repräsentiert. Reagieren wir empathisch, dann nehmen wir das wahr und fragen den anderen, ob er uns seine Situation beschreiben möchte, damit wir uns hineinfühlen können. Empathisch zu sein, ist auch ein verletzlicher Prozess, denn wir verbinden unsere Gefühlswelt dann mit einem Gefühl, das dem ähnelt, das der andere gerade durchmacht. Somit klettern wir dann in dieses Loch hinein, um unseren Lieblingsmensch auch in seiner Gefühlswelt nicht alleine zu lassen. Empathisch zu sein bedeutet nicht nur, dass ich mit dir mitkomme , z.B. zum Arzttermin, der dir Angst macht, sondern ich nehme auch auf, wie sich diese Situation emotional für dich anfühlt, fühle mit dir mit und drücke das urteilslos aus: „Ich weiß, dass dir die Situation Angst macht“. Somit sind wir nicht nur nicht alleine in der Situation, sondern auch nicht alleine in der emotionalen Situation.

 

Vier besondere Merkmale von Empathie


  • Das Merkmal der Perspektivübernahme. Empathisch sein bedeutet, die Perspektive des anderen anzunehmen oder deren Perspektive als deren Wahrheit anzuerkennen.
  • Das Merkmal, urteilslos zu bleiben. Empathisch sein bedeutet, den anderen nicht zu verurteilen für das, was er durchmacht oder empfindet.
  • Das Merkmal, die Gefühle des anderen zu erkennen und diese zu kommunizieren: „Ich sehe, dass du Angst hast.“
  • Das Merkmal, MIT dem anderen zu fühlen.
Theresa Wisemann