Effektive Abhängigkeit


Auch: gesunde Abhängigkeit, konstruktive Abhängigkeit.
Gegenteil: toxische Abhängigkeit, emotionale Abhängigkeit, Ko-Abhängigkeit, Verstrickung, fehlende Individuation.


Worksheet negative Muster
Effektive Abhängigkeit entsteht, wenn wir es schaffen, verletzlich auf Bezugspersonen zuzugehen, und durch Momente der Empathie unsere Emotionen zu koregulieren. Für uns als bindungsorientierte Säugetiere ist diese sogenannte Ko-Regulation die effektivste Art, unsere Emotionen wieder in den grünen Bereich zu bringen. Durch solche Begegnungen wachsen Vertrauen und Sicherheit und es bilden sich positive Muster. Wir können uns immer einfacher ohne Scham oder Angst in dieser Beziehung fallen lassen und Halt bei den anderen finden. Die Beziehung wird für uns zur sicheren Oase,  zum sicheren Rückzugsort, zum sicheren Hafen. So eine sichere Oase bietet uns einen Nährboden, um autonom in die Welt hinauszugehen, um zu erforschen, zu lernen, zu genießen und zu wachsen.

Die übergroße Mehrheit von uns trägt gute Absichten in sich und besitzt den Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden.

Wenn wir uns in unseren Beziehungen nicht sicher fühlen, können sich negative, toxische Muster aus unseren negativen Gefühlen wie zum Beispiel Angst, Trauer  und Scham, und reaktiven Verhaltensweisen wie zum Beispiel Kontrolle, Ärger und Rückzug, entwickeln. Eine Beziehung, die von toxischen Mustern beherrscht wird, wird oft auch toxische Beziehung genannt. Die in einem negativen Muster verstrickten Partner empfinden eine belastende Abhängigkeit (auch emotionale Abhängigkeit genannt) und bezeichnen einander oft als toxisch, oder pathologisieren einander mit Diagnosen wie zum Beispiel „autistisch“, „narzisstisch“, „kontrollsüchtig“. Bei den meisten Paaren und Familien liegt das Toxische aber hauptsächlich in den negativen Mustern, die gemeinsam kreiert werden und weniger in der Beziehung, dem Partner oder den Familienmitgliedern an sich. Die übergroße Mehrheit von uns trägt gute Absichten in sich und besitzt den Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden.
Wenn wir noch nie positive Muster, effektive Abhängigkeit und Ko-Regulierung erlebt und einen Großteil unseres Lebens mit negativen Mustern verbracht haben, kann es uns hilfreicher erscheinen, erst darauf zu fokussieren, dass wir “allein sein können”, also auf unsere Autonomie, uns von anderen zu differenzieren und Grenzen zu setzen. Durch Begegnungen neue korrektive Erfahrungen zu erschaffen und daraus zu lernen, positive Muster zu gestalten, wird oft vorerst auf Eis gelegt.
„Differenzierung ist eines der Ergebnisse einer sicheren Bindung - wir differenzieren uns MIT anderen, nicht von anderen.“
Sue Johnson