Nicht mitbekommen, dass er vielleicht leiden könnte

Wie kann ich merken, ob meine Beziehung noch zu retten ist, wenn er mir sagt, dass er mich nicht mehr liebt, auch wenn er bereit ist in einer Therapie daran zu arbeiten?

Mein Freund und ich sind seit 2 Jahren zusammen, sind erst im März zusammengezogen, und stehen gerade im Gespräch, ob wir unsere Beziehung beenden oder daran arbeiten sollen. Vorgestern hat er mir, nach seinem Kurzurlaub, erzählt, dass er die Gefühle für mich nicht mehr hat und keine Liebe empfindet und gerade nicht mehr kann. Daraufhin haben wir ein langes, intensives, aber ruhiges Gespräch darüber gehabt. Ich habe ihm meine Sicht der Dinge versucht zu erklären, da ich in der Zeit seiner Abwesenheit auch nachgedacht habe. Ich selbst habe oft Erwartungen, die er gerade nicht erfüllen kann, denn er ist selbst in einer recht schwierigen Situation. In unserer Beziehung haben sich dann auch die Probleme eingeschlichen: Ich hatte das Gefühl, dass wir zu wenig Sex hatten, wir konnten nicht über Probleme sprechen und er hatte sich immer weiter distanziert. Weil er eben nicht gesagt hat, dass es ihm schlecht geht und er immer weitergemacht hat, habe ich selbst nicht mitbekommen, dass er vielleicht leiden könnte und es nur nicht mitteilt.

Ich habe viele Erwartungen geäußert und wollte Pläne schmieden. Als er daraufhin abblockte, habe ich ihm einen gemeinsamen Urlaub abgesagt, meine tiefe Enttäuschung mitgeteilt, und ihm einige Dinge an den Kopf geworfen. Er hatte schon länger den Wunsch einen Urlaub alleine zu erleben, also hatte ich ihn gebeten diesen eben vorzuziehen. Ich hatte ihm auch gesagt, dass ich merke, dass etwas nicht stimmt und er an seiner Kommunikation arbeiten muss, damit wir miteinander umgehen können. Er sagte darauf, dass er das machen will, dass er, was das angeht, an sich arbeiten will. Danach war alles wieder einigermaßen okay, aber die Stimmung daheim war seltsam. Ich wollte einfach, dass sich das Problem löst.

Als er weg war, meldete er sich so gut wie gar nicht, und ich machte mir Sorgen, als er sich unangekündigt drei Tage nicht meldete und nicht zurückrief. Ich fragte seine Schwester, ob sie was von ihm gehört hatte, worauf sie in Panik geriet, ihn anrief und annahm, dass er sich umbringen wolle. Da wurde mir der Ernst der Lage langsam bewusst und wie schlecht es ihm gehen könnte. Ich weiß, dass er in der Pubertät mit Depressionen zu kämpfen hatte. Und dann kam er wieder heim und teilte mir mit, dass er mich nicht mehr liebt.

Ich kann es nicht verstehen und doch. Immerhin hat er vieles erduldet, für mich alles getan, was er konnte und dann war wohl alles zu viel. Ich glaube er unterdrückt gerade alles und kann sich niemanden wirklich öffnen, er macht die Dinge für sich alleine aus. 

Dann wären wir wieder beim Anfang, und dem Gespräch. Er will auch, dass es wieder wird, und auch in eine Paartherapie gehen. Ich will auch lernen und mehr verstehen, wie ich nun für ihn da sein kann, in unserer gemeinsamen Wohnung Rücksicht nehmen kann und wir dennoch daran arbeiten können.

Wie kann das alles sein? Wie kann ich jetzt gut zu ihm sein? Wie können wir das wieder schaffen?

Die richtigen Fragen

Das tut mir wirklich leid für euch! Wenn ich es richtig verstehen, hat dein Freund versucht, alleine mit seiner Angst und seinem Stress zurechtzufinden. Zusätzlich habt ihr euch dann noch in einem negativen Muster verfangen, wodurch deinem Freund sich wahrscheinlich noch mehr als Versager gefühlt hat und vielleicht auch in eine Depression gerutscht ist. Eine Depression heißt, dass wir nur noch wenig fühlen und damit auch unsere Liebe nicht mehr.

Wirklich gut, dass dein Freund an sich arbeiten will und ihr euch auch überlegt, eine Paartherapie zu machen!

Du stellst die richtigen Fragen: Wie kann das alles sein? Wie kann ich jetzt gut zu ihm sein? Wie können wir das wieder schaffen?

Die Antworten zu finden ist ein Prozess, den ihr am besten als Team angeht.

Wie kann das alles sein?

In Kurzform: Die Herausforderung in der Liebe ist, dass wir uns so wichtig sind. Wenn wir Angst bekommen, versuchen wir uns zu schützen mit einem Schutzmechanismus, womit wir als Kind überlebt haben. Da wir uns schützen, sind wir emotional nicht mehr für unseren Partner da, wir rutschen dadurch in negative Muster und am Ende bekommen wir genau das, wovor wir Angst hatten.

In Langform: Das Buch „Halt mich fest

Wie kann ich jetzt gut zu ihm sein?

In Kurzform: Sei unnachgiebig empathisch mit deinem Freund. Es passiert häufig in Beziehungen, dass wir die tieferen Gefühle unseres Partners verpassen. Es ist schwierig für uns unsere Kerngefühle und Kernbedürfnisse auszudrücken.

In Langform: Das Buch „What happened to you?“ lesen und miteinander darüber reden, was mit euch passiert ist (es gibt leider noch keine deutsche Übersetzung).

Wie können wir das wieder schaffen?

Als Team zusammen

  1. euer negatives Muster, euch selbst und einander kennenlernen,
  2. lernen euer negatives Muster zu stoppen,
  3. lernen positive Muster zu kreieren (Halt mich fest / LOVE Gespräche),
  4. Verletzungen vergeben,
  5. neue Leidenschaft und Intimität finden.

Das könnt ihr vielleicht selbst mit dem Buch „Halt mich fest“ oder sucht eine EFT Paartherapeut*in, die euch in eurem Prozess begleitet.

Viel Paaren berichten, dass Sie sich nach diesem Prozess einander tiefer lieben, als vorher. Wir wünschen euch das Gleiche!

Liebe Grüße

Lovie

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